Leserbrief
Wider die Aufrüstung
Zu: »400 Milliarden Euro für Verteidigung?« (5/2025, Seite 8-9)
Dass ich einmal in Publik-Forum, einer Zeitschrift, die ich seit Jahrzehnten beziehe und sehr schätze, eine solche Positionierung eines Redakteurs, Constantin Wißmann, und seiner Rechtfertigung eines 400 Milliarden Euro Aufrüstungsprogramms lesen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten und das macht mich sehr wütend. Eckehard Binder, Braunschweig
Statt mit dem Friedensgebot des Grundgesetzes zu argumentieren, das in dessen Präambel steht, oder mit christlicher Friedensethik auf der Basis der Bergpredigt Jesu, zitiert Constantin Wißmann den Inspekteur des Heeres Alfons Mais und Carlo Masala von der Bundeswehrhochschule. Kein Wort darüber, dass Rüstung zu den größten Klimakillern zählt und dieses gigantische Aufrüstungsprogramm zu Lasten von Sozialausgaben gehen wird, die den Ärmsten unserer Gesellschaft fehlen werden, die in der Reich-Gottes-Botschaft Jesu im Mittelpunkt stehen. Clemens Ronnefeldt, Freising
Unglaublich! – Mir fehlen die Worte! Wer schreibt hier für ein »Ja« zu dieser Aufrüstung? Ist es jemand aus dem Büro einer bekannten Waffen-Lobbyistin? Nein, es ist ein Redakteur dieser Zeitung, die sich »kritisch, christlich, unabhängig« zu sein erklärt. Josef Oberneder, Neuötting
Die Ausgaben für die Verteidigung sind absolut notwendig. Man hätte schon vor Jahren mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben sollen. Geschieht dies nicht, stehen wir in einigen Jahren unter der Kontrolle Russlands. Werner Kötter, publik-forum.de
Ich bin Abonnent seit der ersten Stunde und kann mir gut vorstellen, dass auf der Pro-Seite zur Aufrüstung und Militarisierung ein Vertreter der Bundeswehr seine Meinung abgibt. Dann passt auch Jan van Aken als Gegenüber. Dass hier ein Redakteur eine solch unreflektierte Propaganda wiedergibt, ist eine etwas sehr überraschende Aktion. Publik-Forum war für mich immer eine Zeitschrift, die sich kritisch mit Gewaltsystemen beschäftigt. Bisher hat die Geschichte gezeigt, dass massive Aufrüstung nicht zu einem Mehr an Sicherheit beigetragen hat. Aufrüstung verhindert gerade die notwendige Entwicklung, die wir als Menschheit aktuell brauchen. Karl-Heinz Bittl, Nürnberg
Als Pazifist hat man derzeit in Deutschland schlechte Karten. Die Ampelregierung ist in einem Rausch, »Frieden schaffen nur mit Waffen«, und auch mit der neuen Regierung wird es mit Sicherheit nicht anders werden. Den jüngeren Abgeordneten ist es sicher nicht mehr so bewusst, dass Deutschland bereits zwei Weltkriege mit 80 Millionen Toten angezettelt hat. Mit den 100 Milliarden Euro aus dem Jahr 2022 und den jetzigen 400 Milliarden Euro (wahrscheinlich noch mehr) für Aufrüstung wird die Kriegsgefahr bestimmt nicht kleiner. Wenn nur ein Bruchteil von den 500 Milliarden Euro für friedensfördernde Maßnahmen verwendet werden würde, wäre der westlichen Welt mehr gedient. Wolfgang Reuner, Königs Wusterhausen
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Constantin Wißmann meint, 400 Milliarden Euro fürs Militär könnten unsere Welt sicherer machen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nur eine Absage an Geist, Logik und Praxis der Abschreckung weist in eine zukunftsfähige Richtung. Das galt bereits zu Zeiten der Ökumenischen Versammlung 1989. Heute, nach weiter fortgeschrittenem Klimawandel und Artensterben, nach Jahrzehnten völkerrechtswidriger Kriege gegen den Terror, die diesen nicht eingedämmt, sondern verstärkt haben, gilt das umso mehr. Friedrich Brachmann, Dresden
Die Antwort von Constantin Wißmann macht mir Angst. Bei dieser Aufrüstung nur von Verteidigung zu reden geht einfach an den Tatsachen vorbei. Frieden kann nicht mit Rüstung geschaffen und gesichert werden. Ich bleibe dabei: Frieden schaffen ohne Waffen. An die Stelle der gegenseitigen Bedrohung durch Waffengewalt muss die Diplomatie treten, da gibt es kein Wenn und Aber. Renate Bochmann, Halle
Mit großer Sorge lese ich den Beitrag von Constantin Wißmann. Ich möchte mit einem Auszug aus einem Gebet von Dorothee Sölle einen Stoßseufzer loslassen: »Lasst uns die neuen Wege suchen / wir brauchen mehr Fantasie als ein Rüstungsspezialist und mehr Gerissenheit als ein Waffenhändler / und lasst uns die Überraschung benutzen und die Scham, die in den Menschen versteckt ist.« Amen. Friederike Ruth Bliss, publik-forum.de
Die engstirnige Verengung auf »Verteidigung« alleinig durch Militär und Aufrüstung ist dermaßen beschränkt, dass ich jeden Tag neu erschrecke! Gerade wir als Christinnen und Christen sollten uns auf unseren Herrn besinnen und alle, aber wirklich alle Kraft und Kreativität darauf verwenden, herauszufinden, wie wir dazu beitragen können, dass Vertrauen aufgebaut wird, dass andere Wege gesucht werden, wie zivile Verteidigung entwickelt, eingeübt und aufgebaut werden kann! Es gibt doch viele Konzepte, es ist doch alles nicht neu! Den Begehrlichkeiten der Rüstungsindustrien hinterherzulaufen – das hat noch immer in Krieg, Tod, Leid und Elend auf Generationen hinaus geführt. Hiroshima und Nagasaki mahnen! Gisa Luu, publik-forum.de
Hätte sich die Ukraine Putin ergeben, wäre sie politisch zwar unfrei, hätte aber die Möglichkeit gehabt,sich in »sozialer Verteidigung« (ohne Waffen, aber nicht wehrlos) zu üben, was sie ja schon zweimal vorher erfolgreich geschafft hat. Frieden durch Aufrüstung zu wahren halte ich für einen Irrweg. Reinhard Raschke, Dortmund
