Grundeinkommen in Namibia

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Herr Jauch, wie hat das Grundeinkommen das Leben der Bewohner von Otjivero verändert?
Herbert Jauch:Vor der Einführung war fast die Hälfte der Kinder in Otjivero unterernährt. Dieses Problem war nach einem Jahr praktisch verschwunden. Zudem hat sich der Anteil der Kinder, die die Grundschule erfolgreich beenden, auf etwa neunzig Prozent erhöht; vorher waren es nur vierzig Prozent gewesen. Die Wirkung im Gesundheitsbereich zeigt sich daran, dass nach einem Jahr Grundeinkommen vier Mal so viele Leute die Dienste der öffentlichen Klinik in Otjivero in Anspruch genommen haben wie früher. Zum einen hat sich also die soziale Situation verbessert. Zum anderen sind neue wirtschaftliche Aktivitäten entstanden. Außerdem hat das Grundeinkommen einen emanzipato
Zehn Euro für jeden BürgerSeit zwei Jahren erhalten alle Einwohner des Dorfes Otjivero im Osten von Namibia, die unter sechzig Jahre und nicht rentenberechtigt sind, ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von hundert Namibia-Dollar monatlich. Umgerechnet sind dies etwa zehn Euro. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und fünf Kindern erhält auf diese Weise einen Geldbetrag, der etwa dem durchschnittlichen Lohn für einfache Tätigkeiten entspricht. Für eine Einzelperson reichen die hundert Dollar nur äußerst knapp zum Leben. Anfang 2008 startete eine Koalition von nichtstaatlichen Organisationen den Versuch »Basic Income Grant Namibia« – zu deutsch: ein garantiertes Grundeinkommen für Namibia. Zu dieser Koalition zählt die Evangelisch-Lutherische Kirche von Namibia, der Gewerkschaftsbund und das Labour Resource and Research Institute. Zuvor hatte die staatliche Steuerbehörde die landesweite Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als Mittel zur Bekämpfung der Armut empfohlen. Das Projekt unterstützen unter anderen auch Kirchen aus Deutschland, Brot für die Welt und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Geld für das Projekt stammt von der Evangelischen Kirche in Deutschland, von zivilgesellschaftlichen Organisationen in Namibia und von Spendern weltweit.
