Ein Wetterleuchten am Uni-Himmel

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Logierbesuch hatte sich im März für ein paar Tage angekündigt. Freddy aus Italien wollte nach Frankfurt kommen, bevor er nach Bahia weiterfliegen würde, um eine brasilianische Freundin zu treffen. »Fein«, sagte ich am Telefon, »dann machen wir einen kleinen Bummel durch unsere Nachbarschaft, »es gibt allerhand zu zeigen.« Freddy stammt aus dem Schwarzwald, hat Schreiner gelernt und irgendwann in den Siebzigern ein Tischler-Kollektiv mitbegründet. Später verschlug es ihn der Liebe wegen in eine toskanische Kleinstadt. Dort lebt er bis heute. Seine Tochter studiert in Berlin. Weil schönes Wetter ist, spazieren wir durch den Grüneburgpark und später über den angrenzenden neuen Uni-Campus auf dem Gelände des ehemaligen IG-Farben-Hauses und späteren Hauptquartiers der U
Das Institut in Frankfurt am Main ist ein lockerer Zusammenschluss von
Studierenden, die die verschulten Studienbedingungen kritisieren und selbstbestimmte Diskursräume für wichtig halten. Im Dezember 2003 besetzten
sie mit Duldung der Uni-Leitung das leer stehende Institut für Anglistik am
Kettenhofweg 130. Das rund tausend Quadratmeter große Gebäude war 1953 im Zuge der Erweiterung des Campus Bockenheim von Ferdinand Kramer
entworfen worden und steht unter Denkmalschutz. Um Finanzierungslücken auf dem neuen Uni-Campus Westend zu schließen, hat die Universität das Haus im vergangenen Jahr für eine runde Million an die Immobilienfirma »Franconofurt AG« verkauft, die einen Räumungstitel erwirkt hat.
Joachim Hirsch, ein emeritierter Hochschulprofessor, hat dagegen Widerspruch eingelegt, der jedoch vom Landgericht Frankfurt abgelehnt wurde.
Die Räumung durch die Polizei erfolgte am 22. April 2013.
Im Institut fanden regelmäßig Vorträge, Seminare und Workshops zu verschiedenen Themen statt. Zweimal jährlich beschäftigte sich eine »Gegen-Uni«
mit Arbeitsbereichen wie Feminismus, Sexualität oder Humangeografie.
Der Bundesarbeitskreis kritischer Juragruppen veranstaltete dort einen Herbst
kongress. Es gab die Tagung »Kunst – Erkenntnis – Problem« und ein
Gegensymposium zum Jubiläumskongress der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie (DGS). Im IvI kamen internationale Referenten wie Judith Halberstam, David Harvey, Peter Marcuse oder Paolo Virno zu Wort. Vorträge hielten unter anderen auch Bini Adamczak, Klaus Walter, Joachim Hirsch, Rahel Jaeggi und Volkmar Sigusch.
Zu den Unterstützern des Instituts gehören der AStA der Universität, damit »Studierende in der Tradition der Kritischen Theorie selbstbestimmt wissenschaftlich arbeiten können«, sowie zahlreiche namhafte Wissenschaftler
wie Axel Honneth, Micha Brumlik, Joachim Hirsch und Wolfgang Leuschner.
Die SPD, die Grünen und die Piraten hatten sich für den Fortbestand der
Einrichtung ausgesprochen. »IvI-Cube«, eine Initiative ehemaliger Studenten, brachte zuletzt als alternativen Standort einen Kubus aus Bürocontainern
auf dem neuen Campus Westend ins Gespräch.
