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Streitfragenzur Zukunft
Sind Volkskirchen wünschenswert?

Ja. Wenn der Umbau zu einer geschwisterlichen Kirche gelingt Nur eine Volkskirche kann ein Gegengewicht gegen die Kräfte des Marktes sein
von Peter B. Steiner vom 19.04.2019
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Meine Großmutter dirigierte den Kirchenchor. Ich durfte sie auf die Sängerempore begleiten und saß ganz oben links unter dem Stuck und den Deckenbildern vom heiligen Kilian. Gesang, Orgelspiel und Deckenbilder machten mich katholisch. Auch die Flurumgänge mit der Segnung der Felder zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten und das Latein – »Ad deum qui laetificat iuventutem meam« (zu Gott, der mich erfreut von Jugend an), das ich auswendig lernen durfte beziehungsweise musste, um Ministrant zu werden. Biografische Zufälle, so es welche geben sollte, machten mich nach dem Studium der Kunstgeschichte (Archäologie, Philosophie, Germanistik) zum Direktor eines Diözesanmuseums, der Flügelaltäre, Heiligenfiguren, Reliquiengläser erhalten und erklären muss. Aus dem Nachdenken darüber entstand, was ich unter Volkskirche verstehe: Orgelspiel, Glockenklang, Deckenmalerei, Ritus, Brauchtum und Kunst, die den Ablauf jedes Tages, jeder Woche, jedes Jahres heiligen. Etwas heiligen heißt: leben in Beziehung zu etwas über allem. Der Theologe muss das Dogma an die erste Stelle setzen, der Kunsthistoriker nicht. Für das Erleben von Kirche sind Liturgie und Kunst vorrangig.

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