Gott nötigen, Gott zu sein
Ist dieser Text von Dorothee Sölle ein Gedicht? Stammt er aus einer Predigt? Stammt er aus einem Erbauungsbuch? Ihre Stärke: Sie entzieht sich solchen Einordnungen. Ihre Texte sind der Sprache des Lobes, des Gebetes und des Widerstands näher als tränenfreier Objektivität. Sie sind selten »sine ira et studio« geschrieben, also leidenschaftslos und sachlich. Sie ergreifen Partei. Es sind poetische oder der Poesie nahe Texte. Viele davon können als Gebete genauso gelesen werden wie als Gedichte. Oft hat sie ihre Predigten mit einem Gebet abgeschlossen, und so ist auch dieser Text der Schluss einer Predigt. Ihr Ort: der Universitätsgottesdienst in Hamburg 1988. Ihr Thema: die Geschichte von Jakobs Kampf am Jabbok (1 Mose 32, 23-33). Die Predigt war unterbrochen und gegliedert durch die vier Strophen dieses Gedichts. Am Ende hat sie das Gedicht ganz wiederholt und eingeleitet mit der alten Formel: Lasset uns beten. Das Gedicht wird zum Gebet. Alle Strophen beginnen mit einer Feststellung. »Jeder/Jede von uns – hat einen Engel ... kämpft mit Gott … wird gesegnet … hat einen geheimen Namen«. Den Abschluss bildet eine Zusage. »Auf uns wartet Gottes Name.« Ich will das Gedicht mit den Gedanken der Predigt von Dorothee Sölle auslegen.
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Fulbert Steffensky war bis zu deren Tod mit Dorothee Sölle verheiratet. Er war Professor für Religionspädagogik in Hamburg. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau in Luzern.

Dorothee Sölle