Personen und Konflikte
Gunda Werner, Theologieprofessorin in Bochum, kritisiert die Vatikan-Erklärung zur Menschenwürde »Dignitas infinita«. Es sei »Augenwischerei, so zu tun, als habe Würde immer im Zentrum kirchlicher Argumentation gestanden«, sagte sie in einem Interview mit dem Portal katholisch.de. Wenn die Kirche über Würde gesprochen habe, sei es in der Vergangenheit nicht um die Würde aller Menschen, sondern vor allem um die Würde des Mannes gegangen. In der im April veröffentlichten Erklärung äußert sich das Glaubensdikasterium zu grundsätzlichen ethischen Fragen und verurteilt Verstöße gegen die Menschenwürde aus Sicht der katholischen Kirche. Dabei lehnt das Papier Leihmutterschaft und medizinische Geschlechtsumwandlungen wie auch Abtreibung und Sterbehilfe grundlegend ab. Werner kritisierte, dass der Abschnitt zu sexuellem Missbrauch sehr knapp ausfalle und der Blick nach innen fehle. »In so einem Dokument, das den Anspruch hat, differenziert zu argumentieren und einen Gang durch die Ideengeschichte anbietet, hätte ich mir eine Selbstreflexion auf den eigenen Würdebegriff gewünscht«, sagte die Dogmatikerin.
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