1700 Jahre Konzil von Nicäa
Das Glaubensbekenntnis, eine Werbung für das Leben
Nachdenken über Gott bedeutet immer auch Nachdenken über den Menschen. Denn wäre der Mensch sich selbst verständlich, so käme es ihm überhaupt nicht in den Sinn, nach einem Gott zu suchen, der die Erfüllung der Sehnsüchte gewährt, die ihn umtreiben und die er selbst nicht befriedigen kann. Es ist, so hat der große Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant formuliert, als hörten Menschen eine »Stimme in sich«, es müsse doch in der Welt anders zugehen. Man muss schon sehr abgebrüht sein, um nicht zu sehen, dass es eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit in der Welt gibt. Auch die Momente des Glücks werden angesichts ihrer Kurzlebigkeit schnell von einer stillen Melancholie eingeholt. Gewiss ist nur der kommende Tod, das zukünftige Nicht-mehr-Sein. Von Georg Simmel stammt die schöne Formulierung, dass der Mensch ein »trostbedürftiges Wesen« sei. Findet er ihn in der christlichen Religion? Vermag das im Jahr 325 nach heftigen Debatten auf dem Konzil von Nicäa verabschiedete Glaubensbekenntnis heute noch Trost zuzusprechen?
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Magnus Striet, geboren 1964, ist Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg. Zuletzt erschien sein Buch »Alte Formen, lebendiger Glaube. Das Glaubensbekenntnis ausgelegt für die Gegenwart« (Herder, Freiburg 2024).

Was gibt Hoffnung?
