Schwules Zimmer mit Aussicht
Als der New Yorker Schriftsteller James Baldwin Mitte der 1950er-Jahre »Giovannis Zimmer« über die Liebesaffäre zweier Männer in Paris veröffentlichen wollte, lehnte sein Verlag das Manuskript rundweg ab. Seine Literaturagentur riet ihm, die Seiten zu verbrennen und das Thema nie wieder zu erwähnen. Baldwin hatte gerade mit seinem Roman »Von dieser Welt«, einer autobiografisch geprägten Coming-of-Age-Geschichte, seinen ersten Erfolg verzeichnet. Ein schwarzer Schriftsteller, der über seine Erfahrungen mit dem Rassismus in Amerika schreibt, würde sich hervorragend als literarische Stimme der aufstrebenden Bürgerbewegung um die Antagonisten Martin Luther King und Malcom X vermarkten lassen. Aber nun diese Geschichte über homosexuelle weiße Männer im fernen Europa? Rasch wurde Baldwin, nachdem die Veröffentlichung durch einen britischen Verlag 1956 doch noch gelungen war, von Literaturkritikern wie Publikum zu verstehen gegeben, er solle es mit seiner Außenseiterrolle mal nicht übertreiben.
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