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Fulbert Steffensky über die Kunst der Predigt
Kirchenschlaf und Feuerzungen

Darf ich nur das predigen, was ich bezeugen kann? Nein, sagt Fulbert Steffensky. Denn sonst verhungert die Gemeinde an der eigenen Redlichkeit. Warum Kirchenschlaf heilsam sein kann und Predigten unverzichtbar sind.
von Fulbert Steffensky vom 06.05.2025
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Luther predigt von der Kanzel: Gemälde von Willem Linnig aus dem Jahr 1880. (Foto: PA / AKG-Images)
Luther predigt von der Kanzel: Gemälde von Willem Linnig aus dem Jahr 1880. (Foto: PA / AKG-Images)

Ein Leben lang war ich ein beinahe zwanghafter Kirchgänger, unsere Kinder haben oft darunter gelitten. Die Lösung für den Konflikt zwischen meiner Kirchenlust und ihrer Kirchenzurückhaltung hieß: pro Kirche ein Eis! Diese Lösung war nicht ganz fair. Denn die Mägen der Kinder waren eher voll, als mein Kirchenhunger gestillt war. Zu meinen Kirchgängen gehörten natürlich die Sonntagsgottesdienste mit ihren Predigten, ich habe während meines Lebens wohl mehr als 4000 gehört. Ich habe Honigzungen predigen gehört, ich habe einfache und erbauliche Predigten gehört, eitle Pfarrer und Pfarrerinnen; Menschen, die mit dem Wort rangen; Menschen, für die die Wahrheit immer schon abgepackt in griffigen Formeln bereit lag; Prediger, die nur von sich selbst ergriffen waren, und wundervolle Stotterer in den Fragen des Glaubens. Ich will nicht sagen, dass ich Predigten liebe. Manchmal liebe ich das Amen mehr als die Predigt. Aber ich brauche sie, weil mir da eine oder einer etwas sagt, was ich mir selbst nicht sagen kann. Ich kann mich nicht selbst trösten. Ich kann mir nicht selbst vergeben. Ich kann mich nur schwer selbst ermahnen.

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