Das umgeschmolzene Schwert
Seit dem 5. März steht auf dem Lutherhof in Wittenberg eine zwei Meter breite und knapp drei Meter hohe Stahltafel. Sie erinnert an einen Abend vor 34 Jahren, der mehr als viele andere die Bezeichnung »historisch« verdient. Denn an jenem Abend im Lutherjahr 1983 machte der Wittenberger Schmied Stefan Nau die biblische Forderung wahr: Mit Feuer, Hammer und Amboss schmiedete er ein Schwert zur Pflugschar um. Die Bilder von diesem 24. September gingen damals schnell um die Welt und verfehlten ihre Wirkung nicht – auch nicht in der DDR. Dort hatten die Evangelischen Kirchentage längst ein eigenes Gewicht. Zwar waren landesweite Christentreffen nach dem Mauerbau nicht mehr möglich, und selbst kleinere Treffen stießen regelmäßig auf Argwohn bei der SED. Das änderte sich in den 1970er-Jahren, als die DDR-Kirchen zu regionalen Kirchentagen nach Erfurt, Rostock oder Dresden einluden. Dennoch blieb jede dieser Einladungen für die kirchlich Verantwortlichen ein Wagnis, weil die Genossen bei allem, was nicht von ihnen ausging, den Staatsfeind am Werk sahen. Das war auch 1983 so, als sich Staat und Kirche daranmachten, den 500. Geburtstag von Martin Luther auf je eigene Weise zu feiern.
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