Geist und Sinn
Opfer und Rebell
Da liegt er. Sebastian. Der sonst so schöne Heilige mit den rosigen Wangen, den sanften Zügen und dem himmelnden Blick, durch dessen nacktes Fleisch sich die spitzen Pfeile bohren. Der Legende nach unter Kaiser Diokletian (284-305) den Märtyrertod erlitten und an seiner Grabstätte bald als Heiliger verehrt, erlangt er vor allem mit dem Ausbruch der Pest um 1347 weit über Italien hinaus hohe Popularität. Sein Martyrium liefert dafür den Anhaltspunkt, denn: So, wie Sebastian einst Pfeile getroffen haben, trifft nun auch die Seuche Tausende Menschen. Seine Bilder fluten daraufhin die Kirchen. Sebastian wird zu einem der beliebtesten Motive in der Renaissance- und Barockkunst. Was aber hat der Heilige auf der Collage eines US-amerikanischen Künstlers aus dem Jahr 1989 zu suchen?
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Stephanie Höllinger, geboren 1989, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Moraltheologie der Universität Mainz. Mit Stephan Goertz hat sie das Buch »Sebastian. Märtyrer – Pestheiliger – Queere Ikone« (Herder) veröffentlicht.

