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Die Beobachterin

Schonungslos – und voll vorsichtiger, empfindlicher Menschlichkeit. Gabriele Wohmann schreibt über Ungetröstete, ohne dass sie Trost anbietet, über Unglückliche und Suchende, ohne Antworten zu geben
von Ilka Scheidgen vom 05.06.2012
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Die Darmstädter Mathildenhöhe mit ihren berühmten Jugendstilbauten und der angrenzende Park Rosenhöhe mit dem imposanten Portal aus sechs auf hohen, zierlichen Backsteinsäulen thronenden Löwen sind jedes Mal aufs Neue beeindruckend. Hier entdecke ich bei meinem letzten Besuch der Schriftstellerin Gabriele Wohmann, die gerade ihren achtzigsten Geburtstag beging, das bronzene Standbild ihres Kollegen Karl Krolow. »Der Dichter als flüchtiger Erdengast« ist die Skulptur des Künstlers Thomas Duttenhöfer betitelt; eine Bezeichnung, die auch auf Gabriele Wohmann in besonderer Weise zutrifft. Denn mit dem Thema hat die Darmstädter Pfarrerstochter sich intensiv beschäftigt. Auf der Pinnwand über ihrem Schreibtisch im Atelierhaus auf der Darmstädter Rosenhöhe, in dem sie mit ihrem Mann bis 1992 wohnte, hatte sie eine Fülle von Zetteln mit Gedanken, Notizen, Zitaten, Zeitungsausschnitten angeheftet. Einer davon, ein gelb gewordener Zettel: »Man lebt und weiß den Tod. Alles andere ist Beschäftigungstherapie« (James Joyce). »Würde doch der Tod richtig verstanden, als der Übergang zum wahren – wenn auch zugegebenermaßen leider unbekannten – Sein, dann nur könnte vernünftig gelebt und gestorben werden. Mit dem Sterben gelebt werden«, so steht es in ihrem Roman »Schönes Gehege« zu lesen.

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Schlagwort: Literatur
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