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Gott feiern – aber wie?

Der Kirchentag ist traditionell ein Experimentierfeld für alternative Gottesdienstformen. Ein Streifzug
vom 09.06.2017
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Als Skandal

Sobald man »Skandal« in die Ankündigung schreibt, ist die Kirche voll. Mission also schon fast gelungen. Nun muss man den Besuchern der Gethsemanekirche (die ja durch die Friedliche Revolution schon eine gewisse skandalöse Aura umweht) auch was bieten. Doch darauf, dass »der Pastor sich nackt an die Kanzel bindet«, wartet man vergebens. Dafür erzählen überwiegend junge Theologinnen und Theologen, wie sie ihre Gottesdienste gestalten. Beispiele, die in den Bann ziehen: Die Poetry-Slam-erfahrene Theologin Christina Brudereck erzählt die Geschichte von Arun, einer Zufallsbekanntschaft, auf eine Weise, dass man versteht, was Kreuz bedeutet. Pfarrerin und Künstlerin Birgit Mattausch zeigt Fotos: Eine Blutspur zieht sich durch die Kirche, vom Kreuz her, wo der gefolterte Mann hängt – verhüllt. »Jemand muss ihm doch mal die Wunden verbinden!« Skandalös wirkte auch eine Fürbitte für vergewaltigte Frauen und Mädchen im Bosnien-Krieg: »Fall den Vergewaltigern in den Arm! Mach sie impotent!« Ist das angemessen? Klares Ja: Eine Fürbitte sei ein Notschrei in der Tradition der Psalmen, kein glattgebügeltes Gesinnungsgebet. Fazit: Der Gottesdienst als Skandal zeigt auf das, was nicht ins Bild passt; er macht Ausgeblendetes sichtbar – ganz im Sinne des Kirchentagsmottos »Du siehst mich«.Anne Strotmann

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