Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich denke, es ist Zeit, wieder von Sünde zu reden. Sünde ist für viele ein antiquierter Begriff, tausendfach missbraucht für Verhaltensweisen, die der Wucht des Wortes nicht gerecht wurden. Es hat ja seinen Grund, wenn umgangssprachlich heute von »Sünde« nur noch im Zusammenhang mit Süßigkeiten und Tempoüberschreitungen gesprochen wird. Das ändert aber nichts daran, dass dieser Begriff wie kaum ein anderer dazu geeignet ist, das abgrundtief Böse zu beschreiben, das was auf keinen Fall (aus gläubiger Perspektive würde man hinzufügen: vor Gottes Angesicht) sein darf und sein soll. Weder strukturell, noch persönlich. Rassismus zum Beispiel. Wir sind erschüttert über die Ereignisse in den USA, weiten im Hauptkommentar aber den Blick auf den Alltagsrassismus, der wie ein Geschwür immer wieder aufbricht.
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Michael Schrom
ist Leiter des
Ressorts »Religion&Kirchen«
