Verruchte Boten schonen
Im Herbst erscheint Bob Dylans Buch The Philosophy of Modern Song. Wir dürfen gespannt sein. Der Mann hat Humor und ist lässig, wie seine, gelinde gesagt, unprätentiöse Reaktion auf den Literaturnobelpreis bewies. Und Songs schreiben kann er, von Beginn seiner mehr als 60-jährigen Karriere an, wie auch The Wicked Messenger vom 1967 veröffentlichten achten Studioalbum John Wesley Harding zeigt. Seit Beginn seiner Never Ending Tour 1988 hat er den Song 125 Mal live interpretiert. Angesichts des umfangreichen Œuvres ist er Dylan offenbar wichtig. Zu quietschender Mundharmonika und locker herunterlaufendem Bass, akustischer Gitarre und sachten Drums erzählt er eine kurze Geschichte: Da ist ein seltsamer Bote im Ort, der zuvor bei Eli war, noch um das Kleinste viel Wirbel macht, aber nicht zu sagen vermag, wer ihn herbestellte. Er antwortet mit Gesten und schläft hinter der Stadthalle, er kommt und geht, bis er eines Tages einen Zettel in der Hand hält, auf dem steht: »Ich schwör’s, meine Fußsohlen brennen!« Irgendwann wird es darüber Herbst. Man feindet ihn an, und die paar Worte, die er zu hören bekommt, öffnen, so heißt es, sein Herz – sie schaffen Klarheit: »If ye cannot bring good news, then don’t bring any.« Wenn du schon keine guten Nachrichten hast, bring halt gar keine!
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Udo Feist, geboren 1963, ist evangelischer Theologe und freier Journalist in Dortmund.
