Die schwierige Bibel
Starb Jesus wirklich für unsere Sünden?
»Wenn ich durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, dann ist die Gottesherrschaft schon zu euch gekommen.« (Lk 11,20)
»… Christus ist für unsere Sünden gestorben …« (1 Kor 15,3)
Was plagen sich Prediger am Karfreitag ab, wenn sie erklären wollen, warum Gott seinen eigenen Sohn opfern musste, um die Welt mit sich zu versöhnen und uns zu erlösen – und bleiben damit doch nur im Erklärungsmodell stecken, das Anselm von Canterbury im 11. Jahrhundert entworfen hat, um den schwierigen Bibelsatz »Jesus ist für unsere Sünden gestorben« den Menschen seiner Zeit auf dem Hintergrund der damaligen Lebenswelt zu erklären: Wie ein Feudalherr kann Gott den Menschen, die gegen ihn gesündigt haben, nicht einfach vergeben, sondern muss – in der Rechtslogik der Zeit – auf Genugtuung (satisfactio) bestehen. Weil die Menschen aber eine entsprechend hohe Ersatzleistung gar nicht hätten aufbringen können, schickt er seinen eigenen Sohn in die Welt und lässt ihn für die Sünden der Menschen sterben.
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Martin Ebner, geboren 1956, war Professor für Neues Testament in Münster und Bonn und schrieb 2022 »Braucht die katholische Kirche Priester?« (Echter Verlag). Wenn Sie eine Bibelstelle ausgelegt haben wollen, schreiben Sie an: [email protected], Stichwort Bibelstelle

