Der Geschichtenschnitzer
Es riecht nach Holz. Dann schweben Engel in den Raum. Nicht wirkliche, sondern die, die Swen Kaatz eindringlich beschreibt. Der 42-jährige Möbeltischler steht breitbeinig in seiner Werkstatt. So, als suche er auf dem Boden Halt. Die Engel aus Holz, die er um die Jahreswende künstlerisch entwarf und schnitzte, haben seinem Leben wieder Sinn gegeben. In einer tiefen Lebenskrise hat der in einem atheistischen Elternhaus in der DDR aufgewachsene Handwerker sich mit ihnen beschäftigt. Sie haben ihm wieder auf die Beine geholfen. Nun stehen sie – modern und abstrakt anmutend – auf dem großen Holztisch neben der Hobelbank. Ein Evangelikaler? Vielleicht sogar einer von denen, die alle Welt missionieren wollen? Swen Kaatz lebt mit seiner Frau Antje und den Töchtern Marlene und Paloma in dem kleinen, idyllischen Ort Mühlsen. Ein Bach zieht an seinem 300 Jahre alten Haus vorbei, Bäume säumen den Weg. Es ist tiefstes Erzgebirge hier. Geschichten von Engeln, Zwergen und Elfen sind nicht fern. Doch der Mann, der seine langen braunen Haare mit einer Holzspange zusammengehalten hat, hatte damit nie etwas am Hut. Im Gegenteil. »Ich bin im Plattenbau in Zwickau aufgewachsen, mein Vater war bei Sachsenring und meine Eltern hatten mit Glauben oder Kirche nichts zu tun«, sagt er und streicht Holzstaub von seinem T-Shirt.
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