Zur mobilen Webseite zurückkehren

Sozialprotokoll
Licht in meinem Leben

Markus Virck (61) ist seit seiner Erblindung Märchenerzähler. Damit beglückt er Jung und Alt. Und hat den Beruf seines Lebens gefunden
von Josefine Janert vom 07.07.2017
Artikel vorlesen lassen

Manchmal habe ich noch Lampenfieber. Kritische Blicke spüre ich, obwohl ich praktisch blind bin. Ich merke auch, wenn Zuhörer unruhig werden. Leider können sich viele Menschen nicht mehr so gut auf längere Geschichten konzentrieren. Ich versuche dann, zu reagieren und zum Beispiel schneller mit dem Märchen fertig zu werden. Manchmal tue ich auch so, als hätte ich die Unruhe nicht bemerkt. Doch die meisten sind aufmerksam, wenn ich als Märchenerzähler und Liedermacher vor dem Publikum auftrete. Besonders jetzt in der Ferienzeit bin ich sehr gefragt. Bei Kindern allemal, doch mir hören Menschen aller Altersgruppen zu. Über die Jahre habe ich beobachtet, dass Frauen im Publikum in der Mehrheit sind. Ich habe auch schon psychisch kranken Menschen Märchen erzählt. In »Schneewittchen« gibt es eine Stelle, da befiehlt die Königin dem Jäger, ihre Stieftochter in den Wald zu führen. Er soll sie töten und der Königin Lunge und Leber bringen, damit sie sie aufessen kann. Muss man solche Passagen entschärfen, wenn man das Märchen einem Kind oder psychisch Kranken vorliest? Diese Diskussion ist alt. Und ich meine: Nein. Solche Stellen gehören dazu. Märchen stecken voller archaischer Symbole, die die Zuhörer im Innersten berühren, weil sie menschliche Konflikte widerspiegeln. Auch mein Leben ist davon ja nicht frei.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0