100 Jahre vatikanische Nuntiatur in Berlin
Alle waren gekommen: Die Kanzlerin, der Bundespräsident, der Außenminister. Mit einem Festakt und einem Symposion haben Deutschland und der Vatikan die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor hundert Jahren gefeiert. Kardinal Pietro Parolin, der »Außenminister« des Vatikans, sagte, die Kirche sei die »größte Verbündete der Menschheit für die Erlangung ihrer Güter, zu denen gerade der Frieden gehört«. Keine andere Institution in Europa habe sich »so sehr für die Erhaltung, Förderung und Stärkung des Friedens zwischen den Völkern und Nationen eingesetzt«. Der Berliner Dogmatiker Georg Essen erinnerte dagegen an die großen Vorbehalte der katholischen Kirche gegen die Demokratie als Staatsform. Der Abschied von der Idee der göttlich legitimierten Monarchie sei ihr sehr schwer gefallen. Bis heute gebe es kein lehramtliches Dokument, das das Prinzip der Volkssouveränität ausdrücklich anerkenne. In einer Zeit, in der autoritäre Demokratien auf dem Vormarsch seien, sei dies eine gefährliche Leerstelle. Dabei habe die Kirche in Deutschland selbst von demokratischer Liberalität profitiert, die sie kritisch beäugte.
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