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Roadmovie mit Obdachlosen

von Birgit Roschy vom 09.07.2021
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Die Witwe Fern (Frances McDormand) im Film Nomadland (Foto: ©The Walt Disney Company Germany GmbH)
Die Witwe Fern (Frances McDormand) im Film Nomadland (Foto: ©The Walt Disney Company Germany GmbH)

Kino. Die Heldin dieses Films wohnt in einem Auto: Ihr Heim ist ein Ford-Transporter, in dem sie es sich mit tüfteligen Einbauten gemütlich eingerichtet hat. Nach dem Tod ihres Mannes, dem Verlust von Job, Haus und sogar ihrer Stadt, die nach der Schließung der Mine aufgelöst wurde, zieht es sie auf der Suche nach Arbeit in Richtung Westen der USA. Die Sechzigjährige jobbt bei der Zuckerrübenernte, bei Amazon, putzt Toiletten auf Campingplätzen und tauscht sich unterwegs mit Gleichgesinnten aus. In diesem von einem Sachbuch inspirierten Roadmovie werden Streiflichter auf die sonst unsichtbare Welt moderner US-amerikanischer Nomaden geworfen. Man kann sich zwar keine bessere als die ungeschminkte, strubbelige und wortkarge Frances McDormand in der Hauptrolle, für die sie ihren dritten Oscar bekam, vorstellen. Fast alle anderen Parts werden aber von echten »Van dwellers« übernommen, die sich selbst spielen und andeuten, welches Schicksal sie dazu gebracht hat, das Weite zu suchen. So zeigt der halb-fiktionale Film, dass die Umherziehenden, oft bereits im Rentenalter, nicht nur aus materieller Not ihre Verbindungen zur bürgerlichen Gesellschaft gekappt haben. Beim Anblick der prekären Lebensumstände verbietet sich jede romantische Fantasie über dieses Aussteigerdasein. Und doch: Wenn in grandiosen Landschaftsaufnahmen das Sich-Verlieren und Sich-Finden in der Natur gefeiert wird, flackert jene alte Sehnsucht des »Go West« auf, die wie ein roter Faden mit der Geschichte der USA verwoben ist.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 13/2021 vom 09.07.2021, Seite 55
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