Ausspioniert, denunziert, zurückgetreten
Es roch nach Skandal, als der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof José Gómez, den Rücktritt des erst vor acht Monaten gewählten Generalsekretärs Jeffrey Burrill verkündete. Ominös hieß es, der Priester sei wegen der bevorstehenden Veröffentlichung eines Berichts über mögliches Fehlverhalten aus dem Amt geschieden. Mit Minderjährigen habe dies aber nichts zu tun. Dann stellte sich heraus, dass das rechtskatholische Onlineportal »The Pillar« Burrill ausspioniert hatte. Basierend auf Informationen von Datenhändlern, die Nutzerdaten einer Dating-App für Homosexuelle verkauften, haben die Journalisten diese mit Signalen von Burrills Mobilfunkgeräten abgeglichen. Daraufhin erhoben sie den Vorwurf, Burrill habe Schwulen-Bars und Privathaushalte besucht und forderten die Bischöfe zu einer Stellungnahme auf. Kurz darauf erklärte Burrill seinen Rücktritt. Das hat unter Amerikas Katholiken eine heftige Debatte ausgelöst. Steven Millies, Direktor des Bernadin Center in Chicago, nannte es unanständig, dass der Artikel Burrills Homosexualität in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch bringe, ohne Belege zu nennen. Der Chefredakteur des Jesuiten-Magazins America, James Martin, sagte, katholische Journalisten dürfen keine unmoralischen Mittel einsetzen, um Priester auszuspionieren. Die in der Priesterausbildung tätige Theologin Daniella Zsupan-Jerome sprach von einem Kulturverfall.
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