Die Kunst des Kopierens
Der New Yorker Dichter und Literaturprofessor Kenneth Goldsmith rief 2013 Leser auf, das Internet auszudrucken und ihm zuzuschicken: Den wilden Haufen aus zehn Tonnen Papier, den er bekam, stellte er in einer Galerie in Mexiko aus. Die digitale Textproduktion habe die Literatur völlig verändert: Ordnen und Filtern seien die neue Grundlage kulturellen Kapitals, »unkreatives Schreiben« das Gebot der Stunde. Das aus sich selbst schöpfende Genie nach dem Vorbild Goethes sei endgültig out. Die Musik sei hier mit Remix und Sampling schon viel weiter. Dasselbe Prinzip müsse auch in der Literatur populär werden, fordert Goldsmith in seinem aktuellen Manifest: Statt unermesslichen Textbergen neue hinzuzufügen, sei es Pflicht, mit den bereits vorhandenen zu spielen, sie auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen – die Neugeburt des Autors aus dem Geist von Copy and Paste.
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