Die Leitung zur Wärme des Ursprungs
Kaum ein anderer deutscher Künstler ruft so unterschiedliche Emotionen hervor wie Joseph Beuys, der dieses Jahr hundert Jahre alt geworden wäre (Publik-Forum 8/2021, Seite 45). Während ihn die einen für ein Genie halten, der das Kunstverständnis revolutioniert hat, halten ihn die anderen für maßlos überschätzt. Interessant ist, dass Beuys, der ungemein progressiv wirkte und veraltete Strukturen des Kunstbetriebs aufbrach, sich der Welt des 19. Jahrhunderts viel mehr verbunden fühlte als der Nachkriegsmoderne, die er wesentlich prägte. Den Materialismus lehnte er, der ein begeisterter Anhänger der Ideen Rudolph Steiners war, ab. Beide sahen den Menschen als Bindeglied zwischen der Natur und der übersinnlichen Welt. Besonders die Fixierung auf das rational-wissenschaftliche Denken hielt Beuys in Anlehnung an Steiner für destruktiv, da dieses den Zugang zur geistigen Dimension blockiere.
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Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin für Theologie in Augsburg, freiberufliche Autorin und Referentin, Redakteurin des Publik-Forum-Weisheitsletters.
