Personen und Konflikte
Xiang Biao, Sozialanthropologe und Direktor des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung in Halle (Saale), nimmt bei der chinesischen Jugend einen Sinneswandel wahr. »Das einfache Prinzip, das in der Schule funktioniert hat – harte Arbeit führt zu besseren Noten –, geht nicht mehr auf«, sagte er der »Neuen Zürcher Zeitung«. Infolge des zunehmend geringeren Wirtschaftswachstums würden junge Chinesen verstärkt ihre bisherige Lebensweise hinterfragen, mehr Selbstbestimmung einfordern und eine immer skeptischere Haltung gegenüber der Politik der Kommunistischen Partei (KPCh) einnehmen. Für Biao wurde dieses Bedürfnis besonders durch die Proteste gegen die chinesische Zero-Covid-Politik im letzten Jahr deutlich: »Die Regierung schien jeglichen Respekt vor der Würde der Menschen verloren zu haben«. Ähnlich wie die Gesellschaften des Westens sei China zunehmend gespalten – in ein regierungstreues und in ein liberaleres Lager, so Biao.
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