Film »Samia« im Kino
Den Widerständen davonlaufen
Kino. »Träume sind alles, was wir haben«, sagt Samias Vater Yusuf, als sie kurz vorm Aufgeben ist. Samia wächst in einem ärmlichen Viertel in der somalischen Hauptstadt Mogadischu auf. Sie will nichts anderes im Leben als laufen. Ihr großer Traum ist, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Die Armut macht ihr dabei weniger zu schaffen als der Terror islamistischer Milizen, durch den ihre Bewegungsfreiheit drastisch eingeschränkt wird. Auf die Straße darf sie nur bei Tag und im Hijab, Sport ist für Frauen erst recht »haram«. Also trainiert sie nachts, heimlich und stets auf der Hut vor den Schergen, die kaum älter sind als sie selbst. Selbst in ihrer großen, liebevollen Familie betrachtet ihr Bruder ihren Ehrgeiz mit scheelen Augen. Nur der Vater hält zu ihr, doch auch er fällt dem Regime zum Opfer. Dieser Film ist dem Schicksal der somalischen Sprinterin Samia Yusuf Omar (1991-2012) gewidmet, der es allen Widerständen zum Trotz gelang, 2008 an den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen. Als einzige Athletin ihres Landes trat sie im 200-Meter-Rennen an – jedoch ohne Kopftuch. So geriet sie bei ihrer Rückkehr nach Somalia in Gefahr und beschloss, ihre Heimat zu verlassen und über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. In diesem Film wird ausgehend von Samias Odyssee mit einem Flüchtlingstreck durch die Wüste in Rückblenden ihre unbeschwerte Kindheit gezeigt: Als schnellstes Mädchen ihres Viertels überholt Samia auch ihren besten Freund Ali. Der ist zwar zunächst in seiner Ehre gekränkt, springt aber über seinen Schatten und wird ihr Trainer. Wie nebenbei kommen in Samias kindlicher Sicht auf ihren Alltag die Folgen des islamistischen Bandenterrors und die jahrzehntelange Zerrüttung des Landes zum Tragen. Der Riss geht quer durch die Familien, obwohl gerade die Frauen versuchen, sie zusammenzuhalten.
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