Schöner Bauen
Im Urlaub flanieren wir viel lieber durch Altstädte als durch Neubauviertel. Und zum Wohnen scheint vielen die Gründerzeitwohnung attraktiver als ein Erstbezug. Warum lässt uns die zeitgenössische Architektur eigentlich so kalt? Haben wir verlernt, schön zu bauen? Und was heißt eigentlich schön? Wenn Menschen von schönen Städten schwärmen, fallen häufig Namen wie Amsterdam, Wien, Lissabon und Florenz, in Deutschland etwa Freiburg, Lübeck, Heidelberg und Quedlinburg. Diese Städte sind sehr unterschiedlich, manche sind nah am Wasser gebaut, andere bieten einen reizvollen Blick in die Berge, aber all diesen schönen Städten ist gemein, dass sie alt sind. Ob romanische Staffelgiebel oder schiefe Fachwerkhäuser, die aussehen, als bräuchten sie die Nachbargebäude, um nicht umzufallen – nahezu alles, was älter ist als hundert Jahre, versetzt uns in Verzückung. Städte, die vom Krieg verschont wurden und eine intakte Altstadt haben, verzeichnen deutlich höhere Besucherzahlen als solche, die im Sinne der Moderne wiederaufgebaut wurden. Manchmal reicht sogar eine Simulation von Alter: In Frankfurt am Main wurde soeben die »neue Altstadt« eröffnet – eine nostalgieselige Rekonstruktion, die Architekten entsetzt und Touristen begeistert.
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Franz Ullrich, geboren 1972, ist Architekt und Stadtplaner. Er lehrt kommunales Bauplanungsrecht an der Uni Bamberg und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Selbst wohnt er in einem alten Haus in Bamberg, das er umgebaut hat, statt sich ein neues zu entwerfen.
