Der Dichter und der Bettelmönch
Als Paul Celan am 20. November 1953 Assisi besuchte, war er ein junger Ehemann von noch nicht ganz 33 Jahren. Ein Jude aus Czernowitz, ein Dichter deutscher Sprache mit Wohnort in Paris. Seine Frau Gisèle, aus französischem Hochadel mit einer frommen katholischen Mutter, die 1954 im Witwenstand in ein Kloster in der Bretagne eintreten wird, hatte zwei Wochen zuvor ihren ersten Sohn geboren: François. Der »kleine Franzose« stirbt nur dreißig Stunden nach seiner schwierigen Geburt: »Das Kind ist tot. (…) Es war mein Sohn, unser Sohn, unser François«, schreibt Celan an Freunde. Die Gründung einer eigenen Familie war für ihn, dessen Mutter und Vater in einem deutschen Konzentrationslager in Transnistrien umgekommen waren, ein Hoffnungszeichen gewesen.
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Lydia Koelle studierte Theologie und Germanistik; 1997 erschien ihre Dissertation über Paul Celan; sie war Juniorprofessorin in Paderborn und arbeitet als freie Autorin und als Referentin der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz.
