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Wenn sich das innere Auge öffnet

Der #Koran ist kein von Gott geoffenbartes Gesetzbuch, sagt Ahmad Milad Karimi. Der Professor für Islamische Philosophie und Mystik über das Besondere des muslimischen Offenbarungsverständnisses.
von Ahmad Milad Karimi vom 23.10.2020
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Der Koran ist ein Grenzbegriff. Er stellt keinen Informationstext dar, keine gewöhnliche Predigt, kein Gesetzbuch, kein Regelwerk, kein erneutes oder erneuerndes Testament. Allen voran ist der Koran ein ästhetisches Geschehen, ein göttliches Geschehen im Menschen – für die Menschen. Nicht durch den Koran, sondern mit dem Koran wird offenbar, was sich allein als Verborgenheit artikuliert: die Gegenwart Gottes. Darin gilt der Koran im Islam als Offenbarung. Seine Rezitation soll das Wort Gottes im Menschen zum Erklingen bringen, sodass sich der Mensch für das ihn Überschreitende öffnen kann. Jedes Wort des Korans ist der ganze Koran und kein Wort des Korans kann ohne das andere sein, was es zu sein in Anspruch nimmt. Alles am Koran ist mehrdeutig, polyfon, geprägt und getragen von Gleichnissen, Symbolen, Sprachbildern, Metaphern. Diese sind einerseits in Erzählungen eingebettet, andererseits auf keine einzige Erzählung, auf keinen einzelnen Menschen, aber auch auf kein gesondertes Volk fixiert. Jeder Vers des Korans ist zugleich ein Zeichen, das über sich hinausgeht. Die Zeichen haben Sinngehalt, Klang, Atmosphäre, Melodie, Rhythmus und vor allem eine Stimme, die sich in unendlichen Stimmen entfaltet.

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Schlagwörter: Koran Meditation
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