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Literatur
»Ehrlich? Nerd-Alarm!«

Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse haben wir Menschen, die Bücher lieben – Nora Gomringer, Hilal Sezgin, Wolfgang Thierse, Jürgen Israel, Karl-Josef Kuschel und Giannina Wedde – nach dem Buch ihres Lebens gefragt. Das sind ihre Antworten:
vom 23.10.2021
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Bücher, die das Leben prägen: Vom Roman über Lyrik bis zum Latein-Wörterbuch (Foto: Getty Images/iStockphoto/serebryannikov)
Bücher, die das Leben prägen: Vom Roman über Lyrik bis zum Latein-Wörterbuch (Foto: Getty Images/iStockphoto/serebryannikov)

Ehrlich? Nerd-Alarm! Walt Whitmans »Leaves of Grass«, verschiedene Anthologien, »East of Eden« von John Steinbeck, Selma Meerbaum-Eisingers Gedichte und »Salem’s Lot« von Stephen King sowie meine Kinderbibel waren sehr, sehr wichtig. Auch Mutters Doktorarbeit über Lion Feuchtwanger – denn Bücher prägen ja auch, wenn man ihre Entstehung miterlebt und deshalb meint, man hätte fürs bloße Miterleben schon auch einen Doktortitel verdient. Aber kein Buch hat mich so beschäftigt und geprägt wie die »Lateinische Grammatik« von Bayer-Lindauer. Ein in blaues Leinen gebundenes Buch, das mir zeigte, dass ich durchaus Wettbewerbsgeist besaß, eifrig lernen konnte und wollte, um meine Mutter und immer auch den jeweiligen Lehrer zu beeindrucken. Das Buch besitze ich heute noch. Es steht neben dem »Organon« und der dicken grünen Altgriechisch-Grammatik und der schmalen hebräischen Kombiversion. Der Unterricht, der die »toten Sprachen« vermittelte, war immer lebhaft, immer wach und dem Jetzt zugewandt, unsere Lehrer fast alle ein bisschen exzentrisch und stolz darauf. Unsere Gespräche in den Klassen fanden von Philosophie zu Politik, von Mythos zu Medien. Das möchte ich nicht missen, außerdem kann man sich fast jedes Fremdwort herleiten. Es ist ein bisschen wie eine geheime Superkraft. In besagter Lateingrammatik sind ganze Seitenfolgen in mein Gedächtnis gebrannt: Hic, haec, hoc, huius, huius, huius bringen mich heute noch zum Lachen. Nerd-Schicksal. Wenn also einer fragt: Warum Latein? Sag ich: Weil nur weniges so eindrücklich bleibt wie Ablautreihen und der Gallische Krieg, wenn das Schulkapitel sich geschlossen hat. Was den einen quält, beschenkt den anderen. Ein Leben lang.

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Schlagwörter: Bücher Literatur Lyrik
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