T-Shirt-Automat in der Fußgängerzone
Mit kreativen Aktionen möchten die Aktivistinnen der Fashion Revolution Week die Modeindustrie revolutionieren. So stellten sie etwa in Einkaufszonen in Berlin Automaten auf, an denen man T-Shirts für zwei Euro erstehen konnte. Doch wer Geld einwarf, bekam auf einem Bildschirm schockierende Bilder von Produktionsstätten gezeigt. Anschließend wurden die potenziellen Käufer vor die Wahl gestellt, das T-Shirt trotzdem zu kaufen oder das Geld zu spenden. Die meisten spendeten. »Wir haben eine unglaubliche Macht als Konsumenten, wenn wir uns nur entschließen, sie zu nutzen«, sagt Carry Somers. 2013 rief sie die Fashion Revolution Week ins Leben. Die Bewegung setzt sich nun in mehr als neunzig Ländern für eine faire und sichere Modeindustrie ein – auch in Deutschland. Im Mittelpunkt der jährlichen Aktionswoche im April steht eine Selfiekampagne: Männer und Frauen tragen ihre Kleidung auf links, sodass das Etikett »made in ...« zu sehen ist. So fotografieren sie sich. Die Fotos werden dann mit dem Hashtag #whomademyclothes (»Wer hat meine Kleidung hergestellt?«) versehen, bei Twitter geteilt und an die Modemarken geschickt. Das Ziel: Druck aufbauen, damit diese ihre Lieferketten offenlegen. »Je mehr Leute fragen, ›Wer hat meine Kleidung gemacht?‹, desto mehr Marken werden zuhören«, glaubt Somers. Gleichzeitig will die Kampagne, dass hinter der Masse an Textilien die Menschen zum Vorschein kommen, die dafür hart gearbeitet haben. Deshalb posten auch Näherinnen aus aller Welt Fotos von sich, auf denen sie Plakate mit der Aufschrift Imadeyourclothes (»Ich habe deine Kleidung gemacht«) hochhalten. Arbeiterinnen und Konsumenten treten so online in Kontakt, die Kleidungsstücke bekommen ein Gesicht, Grenzen werden aufgehoben.
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