Schwul und katholisch
Es war ein wahres Pfingstfest in der schlichten Kirche, erbaut in der Not der Nachkriegszeit. 25 Männer saßen rund um den Hauptaltar und sangen »Komm heil’ger Geist, kehr bei uns ein«; ein Moderator begrüßte den Priester und bat ihn, den Gottesdienst zu leiten. »Ich hatte Herzklopfen«, erinnert sich Gregor Schorberger. Er kannte niemanden aus der Runde. Als Krankenhausseelsorger stand er im Dienst der katholischen Kirche. Aidskranke pflegen, wie er es tat, das war sehr erwünscht. Sich aber offen als schwuler Mann zu erkennen zu geben – das konnte zur Entlassung führen. Konnte er der Gemeinde vertrauen, die sich da in der Frankfurter Maria-Hilf-Kirche versammelt hatte? Vom Ablauf her war dieser Pfingstgottesdienst eine gut katholische Messe, nur dass einer der Männer predigte und zum Friedensgruß einige sich auf den Mund küssten. Am Ende spürte Gregor Schorberger: Diese Gottesdienstgemeinschaft würde seine neue spirituelle Heimat sein; der Ort, wo er beides sein kann: schwul und katholisch.
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