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Ausstellungstipp: Joseph Beuys in der Kunsthalle Tübingen
Beuys und seine Mythen

Joseph Beuys zwischen Spiritualität und Künstler-Mythos – eine Spurensuche in der Kunsthalle Tübingen.
von Karin Kontny vom 18.11.2025
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Mythenbildung mit oder ohne Schnee: »Schlitten« beruht auf einer Erzählung von Joseph Beuys. (Foto: Christie’s Image / Privatsammlung Berlin / ©Joseph Beuys Estate / VG-Bildkunst, Bonn 2025)
Mythenbildung mit oder ohne Schnee: »Schlitten« beruht auf einer Erzählung von Joseph Beuys. (Foto: Christie’s Image / Privatsammlung Berlin / ©Joseph Beuys Estate / VG-Bildkunst, Bonn 2025)

Ausstellung. Joseph Beuys’ Ideen und Performances prägten die Kunstgeschichte. Er wollte Kunst lebendig werden lassen, statt sie zu Tode zu erklären. Dafür nutzte er mythisch-spirituelle Bezüge und Legenden. Die Ausstellung »Joseph Beuys – Bewohnte Mythen« in der Kunsthalle Tübingen zeigt chronologisch und anhand von mehr als 100 Werken, wie Beuys seine eigene Kunstsprache entwickelte: Zu sehen sind Zeichnungen, Objekte wie das »Erdtelefon« (1968) und Videos seiner Aktionen. Zu seiner eigenen Mythenbildung gehört die berühmte Erzählung seines Flugzeugabsturzes über der Krim während des Zweiten Weltkriegs: Tataren sollen ihn gerettet, mit Verbänden aus Filz und Fett gepflegt und mit Honig genährt haben. Das Objekt »Schlitten« (1969) veranschaulicht diese Geschichte. Sie basierte zwar auf einem realen Ereignis, soll Beuys aber vor allem dazu gedient haben, seine Auferstehung als Geheilter zu symbolisieren, den Beginn eines neuen Lebens: Aus Joseph Heinrich Beuys, der sich 1941 als 20-Jähriger freiwillig zum Militärdienst meldete und sich von der Nazi-Ideologie nie deutlich distanziert hat, wird Joseph Beuys, der Künstlerprophet mit Filzhut. Als Visionär, Revolutionär und auch als Mitbegründer der »Grünen« rief er mit künstlerischen Mitteln zur Erneuerung der Welt durch die Verbindung mit der Natur und dem Kosmos auf. Neben den für Heilung stehenden Symbolen Fett, Filz und Honig nutzte Beuys auch Bilder von Zwergen und Nymphen als Träger seiner Idee von einer über das Denken hinausreichenden Weltgemeinschaft. Besonders wichtig wurde in Beuys’ Arbeiten die Figur des Christus. Er begriff sie als göttlich-menschliche Energie, die jedem Menschen innewohnt. Eine Kraft, die ihm und allen Menschen ermöglicht, die Welt kreativ zu gestalten und das Böse zu überwinden. Die Tübinger Schau ertränkt Beuys’ Kunst nicht in langen erläuternden Texten, sondern inspiriert dazu, schöpferisch an der Heilung der Welt mitzuwirken.

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