Streitfragen zur Zukunft
Weihnachten feiern – auch ohne Jesus?
Vor Jahren habe ich in Hannover eine Aktion ins Leben gerufen: »Advent ist im Dezember«. Mich hat gestört, dass bereits Ende August sogenanntes Weihnachtsgebäck in den Supermärkten Einzug hält und sogenannte Weihnachtsmärkte schon lange vor Buß- und Bettag eröffnet werden. Es geht doch um ein christliches Fest. Und in der christlichen Tradition gibt es erst eine Zeit des Innehaltens. Wir erinnern am Volkstrauertag an die Opfer der Kriege, wir fragen uns am Buß- und Bettag, wo wir in unserem persönlichen Leben oder als Gesellschaft etwas verändern müssen, und wir gedenken der Verstorbenen des letzten Jahres am Toten- bzw. Ewigkeitssonntag. Es braucht Zeit für diese Themen und Fragen. Danach zünden wir langsam ein Licht nach dem anderen an und bereiten uns vor auf das große Christfest. Eigentlich ist der Advent eine Fastenzeit, um die Vorbereitung zu intensivieren. Vorfreude entsteht durch Warten. Aber unsere Gesellschaft hat Warten verlernt. Sie schafft Rituale und Traditionen nach und nach beiseite. Alle Lebensbereiche werden kommerzialisiert, auch christliche Bräuche.
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Margot Käßmann, geboren 1958, war Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ist Reformationsbotschafterin.
