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Leserbrief
Die Mühe lohnt sich

vom 03.12.2024
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Zu: »Ein Ort, wo die Welt in mir widerhallt« (21/2024, Seite 12-16)

Nora Bossong wundert sich über die Genauigkeit der wissenschaftlichen Bibelauslegung – eine Mühe, die nicht einmal für Texte von Shakespeare aufgewendet werde. Vielen Zeitgenossen ist nicht geläufig, dass die biblischen Bücher durch – oft fragmentarische – Handschriften in verschiedenen antiken Sprachen auf uns gekommen sind, entstanden innerhalb einer Zeitspanne von rund tausend Jahren. Im Ansatz vergleichbar ist etwa die Sachlage für den Nachlass antiker Dichter, Philosophen, Juristen, Historiker. Die Überlieferung der Dramen und Komödien eines Renaissancedichters wie Shakespeare ist dagegen vergleichsweise unproblematisch. Hinzu kommt: Texte der Bibel, gut verstanden, wollen in der Regel das Vertrauen jeder lesend-hörenden Generation in Heilswillen und Sinnstiftung des göttlichen Schöpfers wecken und fördern – in Abhebung von konkurrierenden Religionen und Weltanschauungen damals wie heute. Wer bedenkt, wie viel Unglück und Krieg aufgrund ständig unterlaufender Missdeutung aktueller Erklärungen, Papiere, Dokumente, Verträge und Ähnlichem die Gegenwart belasten, wird die Sorgfalt, die an die Bibelauslegung gewandt wird, begrüßen. Sie schützt allerdings nur bedingt vor Verformungen, welche die Frohe Botschaft im Kopf ihrer einzelnen Rezipienten erleiden kann. Klaus P. Fischer, Heidelberg

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 23/2024 vom 06.12.2024, Seite 62
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