Zwischen Planken – ratlos
An die Situation, in der ich mich für das Studium der Philosophie entschied, kann ich mich genau erinnern. Es war im Griechischunterricht der elften Jahrgangsstufe. Mein Lehrer gab mir vier kopierte Seiten aus Immanuel Kants »Kritik der reinen Vernunft« und bat mich, darüber ein Referat mit Bezügen zu den Vorsokratikern zu halten. Es war der berühmte »erste Widerstreit der transzendentalen Ideen«, es ging also um die Frage, ob die Welt einen Anfang in Raum und Zeit hat. Die Pointe von Kants Argumentation liegt darin, dass sich die beiden Antwortmöglichkeiten Ja und Nein scheinbar schlüssig beweisen lassen – und wir deshalb diese Frage so gar nicht stellen dürfen.
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Frank Hofmann, geboren 1962, ist Journalist, Philosoph und Buchautor (zuletzt »Marathon zu Gott«, Gütersloher Verlagshaus).

