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Mit Buntstiften entspannen

von Andrea Teupke vom 22.12.2017
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Bilder ausmalen, um sich zu entspannen: Seit dieser Trend 2013 in Frankreich aufkam, scheint er ungebrochen. Immer mehr Verlage werfen Malbücher für Erwachsene auf den Markt; neben den notorischen Mandalas werden zunehmend auch Klassiker als Malvorlagen wiederverwertet. Entschleunigend und antidepressiv soll das besinnliche Kritzeln mit Buntstiften wirken. Kunsttherapeuten melden zwar Zweifel an und meinen, viel wirkungsvoller sei der freie Ausdruck, aber so viel Kreativität scheint den modernen Menschen dann doch zu sehr unter Freizeitstress zu setzen. Also greift er zu Schablonen und malt sorgfältig innerhalb der vorgegebenen Linien. »Mein Zauberwald«, »Mein verzauberter Garten« und »Mein phantastischer Ozean« heißen die bislang erfolgreichsten Malbücher dieser Art. In den vergangenen zwei Jahren hat die schottische Illustratorin Johanna Basford weltweit mehr als 15 Millionen Exemplare von ihnen verkauft. Der Prestel-Verlag hat nun ein Malbuch mit floralen Mustern von William Morris herausgegeben. Die ornamentalen und farbenfrohen Motive, die sonst als Ausstellungsstücke in englischen Museen – oder auf sehr teuren Tapeten – zu bewundern sind, kann so jeder zu Hause herstellen. Ob das dem Begründer der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung gefallen hätte? Seinem Ideal des »ehrlichen und qualitätsvollen Handwerks« dürfte das angeleitete Malen in vorgefertigten Büchern nur bedingt entsprechen. Andererseits hatte William Morris als Unternehmer und Produzent von Tapeten und Wohntextilien keine Bedenken, seine eigene Kunst zu Geld zu machen; insofern wäre er dem neuen Trend vielleicht sogar zugeneigt.

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