Streitfragen zur Zukunft Brauchen Kinder Religion?
Vor einer Antwort auf diese Frage sollte erst geklärt werden, was unter »Religion« verstanden wird. Der Theologe Paul Tillich beschreibt »Religion« als die »Tiefe des menschlichen Geisteslebens«. Das bedeutet: Die Religion ist keine spezielle Funktion, sondern die Tiefendimension in allen Funktionen des menschlichen Geisteslebens. Unter diesem Gesichtspunkt ergeben sich für die Interpretation der Religion weitreichende Folgerungen. Die Metapher der Tiefe bedeutet nach Tillich, »dass die religiöse Dimension auf dasjenige im menschlichen Geistesleben hinweist, das letztlich, unendlich, unbedingt ist. Religion ist im weitesten und tiefsten Sinne des Wortes das, was uns unbedingt angeht.« In der Religion wird also die Frage nach dem Sinn unseres Seins gestellt. Und wo immer diese Frage mit unbedingtem Ernst und unendlicher Leidenschaft gestellt wird, da ist Religion, ganz gleich, ob in der Antwort von Gott die Rede ist oder nicht. »Religion« – so verstanden – brauchen Kinder (und Erwachsene) sehr wohl. Gerade heute. Etwas anderes ist die Frage nach dem Religionsunterricht, der vielfach gar kein Religions-, sondern ein Konfessionsunterricht ist. Dieser Unterricht sollte abgeschafft und in eine neue Form von Unterricht im Klassenverband für alle überführt werden. Dazu habe ich als Religionspädagoge in Publik-Forum 19/2016 Vorschläge gemacht.
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