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in Memoriam
Der Lehrer des Papstes

Juan Carlos Scannone
von Thomas Seiterich vom 20.12.2019
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Er trug Grau und war ein bescheidener Mann: der argentinische Theologe Juan Carlos Scannone. Als einziger Sohn einer italienischen Einwandererfamilie trat er bereits mit 18 Jahren dem Jesuitenorden bei. Mit dem jungen Jorge Bergoglio wohnte er zehn Jahre lang in einer Jesuiten-WG in Buenos Aires. Wie kaum ein Zweiter war Scannone, der im Alter von 88 Jahren starb, der theologische Lehrer des heutigen Papstes. Die speziell argentinische Befreiungstheologie, wie sie Scannone und Lucio Gera entfalteten, unterscheidet sich von der wortmächtigen, linken Befreiungstheologie in Brasilien, Mexiko oder Peru. Sie thematisiert weniger den Klassenkampf, sondern stellt vielmehr die soziale Frage unter volkskulturellen Gesichtspunkten in den Mittelpunkt. Dazu bedient sie sich klassischer Frömmigkeitsformen, wie etwa der erfolgreichen Wiederbelebung einer jährlichen Wallfahrt von Buenos Aires in den Marienwallfahrtsort Luján. Scannone setzte auf die Kulturen der einfachen Leute, auf ihren praktischen Sinn für tätige Hilfe und Solidarität.

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