Personen und Konflikte
Regina Elsner, Expertin für orthodoxe Kirchen in Osteuropa, glaubt, dass sich der innerorthodoxe Kirchenkampf in der Ukraine ein Jahr nach Gründung der eigenständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine entspannt hat. »Die Politisierung der Kirchenfrage ist vorerst vorbei«, sagte sie dem Osteuropa-Hilfswerk Renovabis. Im Unterschied zu seinem Amtsvorgänger versuche der neue ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht, Religionsfragen politisch zu verzwecken. Dies eröffne den Kirchen Chancen, ihre Beziehungen zu klären. Vor einem Jahr hatte sich die neue Kirche aus zwei der drei in der Ukraine bestehenden orthodoxen Kirchen gegründet. Sie ist vom Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel, sowie zwei weiteren orthodoxen Landeskirchen anerkannt. Die russisch-orthodoxe Kirche sieht darin eine häretische Kirchenspaltung. Laut Elsner rechnen sich rund 13 Prozent der Ukrainer der neuen Kirche und zehn Prozent der Moskau zugehörigen Kirche zu. Jeder dritte Bürger verstehe sich jedoch nur als »orthodox«. Die Bevölkerung sei »einfach müde von den Kirchenfragen«. Deren Patriarchen stünden vor der Aufgabe, ihre »Machtkämpfe« zu beenden.
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