Ukraine
Zu früh für die Versöhnung
Die Lage der orthodoxen Kirchen in der Ukraine ist nicht leicht. Die größere der beiden orthodoxen Kirchen, die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (UOK), war bis Ende Mai noch ein Zweig der russisch-orthodoxen Kirche. Ihr ranghöchster Geistlicher, Metropolit Onufrij, hat sich jedoch von Anfang an gegen den Krieg gestellt und sich immer mehr von Russland distanziert. Am 27. Mai erklärte sich die Kirche dann offiziell für unabhängig. Aber: Solch eine Trennung ist kirchenrechtlich gar nicht möglich, weil eine Kirche so lange keine Selbstständigkeit besitzt, solange sie nicht von der weltweiten Orthodoxie anerkannt wird. Das bestätigt auch Sergij Bortnyk, Dozent an der Theologischen Akademie der UOK, also dem Predigerseminar UOK in Kiew. Formal gesehen bliebe seine Kirche immer noch dem Moskauer Patriarchat unterstellt, sagt Bortnyk in einem Zoom-Interview. »Aber die Befehle aus Moskau sind für uns nicht mehr obligatorisch. Unsere Bischöfe und Priester nehmen nicht mehr an Veranstaltungen in Russland teil.«
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Thomas Klatt, evangelischer Theologe, arbeitet seit über 25 Jahren als freier Journalist in Berlin.

