Wer bin ich wirklich?
Einsamkeit
Die Corona-Pandemie hat uns vieles vor Augen geführt. Zum Beispiel, wie essenziell menschliche Nähe ist, wie sehr Einsamkeit schmerzen kann. Die Pandemie hat zu einer starken Zunahme von Einsamkeit geführt, oftmals aufgezwungen durch Kontaktbeschränkungen, strenge Besuchsregeln in Altenheimen und Krankenhäusern, aber auch durch die Angst vor Ansteckung. Ganz auf den Ausgangswert sind die Einsamkeitswerte seitdem nie wieder zurückgekehrt. Heute sind in Deutschland mehr Menschen chronisch einsam als noch vor der Pandemie. Dass das Thema Einsamkeit auch medial immer präsenter ist, kann man deshalb nur begrüßen. Dass Deutschland und andere Länder eine vermeintliche Einsamkeitskrise erleben, ist aber kein neuer Befund. Psychologen und Mediziner treibt das Thema schon deutlich länger um. Einsamkeit gilt dabei nicht mehr nur als lästig oder unangenehm wie Langeweile oder schmerzhaft wie Liebeskummer, sondern längst als starkes Gesundheitsrisiko. Einsame Menschen, so liest man allenthalben, bekommen eher einen Herzinfarkt oder Krebs und sterben im Schnitt deutlich früher. Man hört sogar, Einsamkeit wiege schwerer für die Gesundheit als Volkskrankheiten wie Übergewicht oder Bluthochdruck. Einsamkeit sei so schädlich für die Gesundheit wie täglich 15 Zigaretten zu rauchen, heißt es. Sie sei eine »Epidemie«. Manfred Spitzer, der Psychiater und Bestsellerautor, wollte in der Einsamkeit sogar eine ansteckende und »unerkannte Krankheit« entdeckt haben. Manche, wie etwa die britische Regierung, wollen sie gleich ganz abschaffen.
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Jakob Simmank ist Wissenschaftsjournalist, Autor und Arzt. Zwischen 2021 und 2025 leitete er das Gesundheitsressort von ZEIT ONLINE, seit April 2025 ist er Chefreporter Gesundheit der ZEIT. 2020 erschien im Atrium-Verlag sein Buch: »Einsamkeit. Warum wir aus einem Gefühl keine Krankheit machen sollten«.

