Am Lagerfeuer
Und wann machen wir das Lagerfeuer?« Ja, das Lagerfeuer. Jedes Jahr dasselbe Spiel, dieselben Fragen, dieselbe Ungeduld. Diese eine Woche Kinderfreizeit in Tirol: Wald, Wiese, Nachtwanderung, Fußball, Schnitzel, Schatzsuche und bunter Abend, alles ist schön, aber nichts so wie das Lagerfeuer. Tagelang diese Frage, wann endlich, heute, morgen, übermorgen, wann machen wir unser Feuer? Endlich ist es dann so weit, das Wetter passt, der Abend naht. 30 Kinder schwärmen aus, um Holz zu sammeln, lang, länger, am längsten, fünf Meter hoch sollte er schon sein, der Holzstoß, mindestens, weil letztes Jahr war er ja auch so hoch! Große Ehre, wer mit anzünden darf. Ja, und dann: Es brennt – die Flammen, höher als wir, die Funken fliegen in den Himmel, prasselnde Urgewalt, staunende Augen. Ein erhabener Moment. So war es damals, so waren die Lagerfeuer, in meiner Erinnerung, als ich Kind war. So war es, als ich später selbst Jugendleiter war und die Kinder mich gefragt haben, wann endlich denn unser Feuer brennen wird. Und ich traue meinen Erinnerungen, weil meine Kinder heute auch noch auf ihren Freizeiten solche Lagerfeuer machen, und immer noch ist es ein Ereignis.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Matthias Morgenroth ist Theologe, Autor von Sach- und Kinderbüchern und arbeitet als Redakteur beim Bayerischen Rundfunk.

