Ich brauche den Wald
Seit mehr als zwei Jahrzehnten reise ich als Journalistin in Länder, in denen das Leben viel Leid bedeutet. Ich habe die Gewalt und den Hass gesehen, die Gräben, die uns trennen. Privilegierte Menschen kennengelernt, die glauben, besser zu sein als andere, und Verzweifelte, die ihr Leben riskieren, ihre Heimat zurücklassen, um in Sicherheit zu sein. Ich sah als Kriegsreporterin viele Tote und traf Überlebende, die nicht wieder ins Licht finden. Die Fragmentierung dieser Welt in Überfluss und Mangel scheint mir oft unerträglich. Um sie zu ertragen, brauche ich Orte der Ganzheitlichkeit. Ich brauche den Wald. Dicht und dunkel darf er sein, gern schon im Dämmerlicht liegen. Ich fürchte mich vor manchem: Vor dem Wald fürchte ich mich nicht.
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Andrea Jeska wohnt an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein. Sie berichtete als Kriegsreporterin für mehrere deutsche Zeitungen und Zeitschriften aus Tschetschenien, Afghanistan, dem Kongo, Irak, Ukraine und vielen anderen Ländern und wurde mit zahlreichen Preisen, unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis, ausgezeichnet.

