Im Jetzt leben!
Perfect Days» heißt der Film von Wim Wenders, in dem der Hauptdarsteller Koji Yakusho die öffentlichen Toiletten in Tokio mit Hingabe reinigt. Beim Filmfestival in Cannes 2023 hat er für seine hervorragende Interpretation den Darstellerpreis erhalten. Was für ein Film, in dem so wenig und so viel passiert! Wie kann ein Mensch »perfekte Tage« erleben, in so einer routinierten Arbeit? Ganz einfach und unglaublich schwer, indem er schon beim Aufstehen, bei seiner Morgentoilette, beim Öffnen des Fensters, beim Blick in den Himmel, beim täglichen Fotografieren von Bäumen versucht, im Hier und Jetzt zu leben. Ein wunderbarer Film, der mich zur Entschleunigung lockt. Ein langweiliger Film, voll von langer Weile, die in mir eine gute Spannung erzeugt, weil dies eine lebenslange Herausforderung bleibt, wie es Wim Wenders, der in diesem Sommer 80 Jahre alt wird, authentisch in einem Interview zum Film umschreibt: »Ich habe immer einen zu vollen Kalender und bin ständig am Handy. Ich muss mich auch regelmäßig daran erinnern, dass vieles nicht unbedingt nötig ist und man auch viel auslassen kann. In einer Gesellschaft, die einem einredet, dass man nichts verpassen darf, merkt man manchmal mit großer Wehmut, dass man deswegen das Wesentliche verpasst, allem voran die Aufmerksamkeit für das Heute, das Hier und Jetzt.« Wohltuend-bestärkende Worte, in denen meine jahrzehntelangen Ermutigungen zur Unterbrechung im Alltag gut aufgehoben sind.
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Pierre Stutz, Theologe, spiritueller Autor, lebt in Osnabrück. Sein Longseller »Atempausen für die Seele« ist im Verlag Herder neu aufgelegt worden.

