Editorial
Schreiben ist gesund
Neulich sah ich bei meinem Sohn, der fast ausschließlich digital kommuniziert, an der Pinnwand den handgeschriebenen Brief einer Freundin. Er hütet diesen Brief wie einen Schatz, denn das Handgeschriebene drückt für ihn eine besondere Wertschätzung aus. Heute tippen wir Texte in den Computer oder diktieren ins Handy; zu Stift und Papier greifen wir meistens nur noch für den Einkaufszettel. Ist das Schreiben mit der Hand ein aussterbendes Handwerk? Nein. Keineswegs. In diesem EXTRA stellen wir Menschen vor, die eine Leidenschaft für das Schreiben haben. Den Kalligrafie-Lehrer, der das Schönschreiben lehrt. In seinen Kursen bewegen sich die Teilnehmer auf der Grenze von Handwerk und Kunst. Auf andere Weise geschieht das beim Tagebuchschreiben. Wenn sich im Lauf der Zeit im Regal Heft an Heft reiht, lässt sich immer neu in Erinnerung rufen, wie einmalig und aufregend ein Leben ist. Für den Thorascheiber ist Schreiben heilige Arbeit. Er bringt mit Gottesfurcht und Truthahnfeder Buchstabe für Buchstabe der Bibel auf eine Pergamentrolle. Etwa ein Jahr benötigt er für das fromme Werk.
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Klaus Hofmeister ist Redakteur für Kirche und Religion beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Er lebt in Kahl am Main.

