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Glauben
Ella, Elise und Martha

Sie wohnten gemeinsam in einem kleinen Haus auf dem Land, mit Kühen, Hühnern und viel Zeit für uns Kinder. Bei ihnen habe ich erfahren, was es heißt, mit Gott zu leben.
von Kerstin Birnstein vom 23.07.2025
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(Foto: Antje Hamann)
(Foto: Antje Hamann)

Als wäre es gestern: Ich sitze am Küchentisch meiner Großtanten. Neben mir klappern Suppenteller, draußen gackern die Hühner, und drinnen wird es still. Es wird gebetet: »Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast.« Das Mittagessen. Dann soll die Tageslosung vorgelesen werden. An der Wand hängt der kleine Abreißkalender, mein Bruder und ich streiten uns wie jeden Mittag, wer das Losungsblatt abreißen darf. Ich bin meinen frommen Tanten sehr dankbar. Sie ließen mich in Kinderzeiten die wunderbare Kraft des christlichen Glaubens entdecken. Ella, Elise und Martha lebten gemeinsam in einem kleinen Haus auf dem Land, mit Kühen, Hühnern und viel Zeit für uns Kinder. Bei ihnen habe ich erlebt, was es heißt, mit Gott zu leben. »Gott ist die Liebe«, sangen wir immer wieder, und ich fühlte es. Diese frühe Glaubensprägung trägt mich bis heute. Meine Tanten hatten selbst keine Kinder, aber ein Herz für andere. Eine hatte einen Tante-Emma-Laden; wer gerade kein Geld hatte, durfte anschreiben. Für mich war das ein leuchtendes Vorbild: Glauben heißt, sich kümmern. Teilen. Helfen. Und nie zu fragen, woher jemand kommt oder was er glaubt. Gleichzeitig war ich schon als Kind eine Fragende. Im Konfirmandenunterricht stellte ich alles infrage: die Wundergeschichten, das Gehen auf dem Wasser, das Reden von Engeln. Ich wollte verstehen. Mein Pfarrer stellte sich meinen Fragen. Er erklärte mir, dass viele biblische Texte Gleichnisse sind, keine Tatsachenberichte. Dass Glaube und Denken sich nicht ausschließen. Zweifel schwächen den Glauben nicht, sondern vertiefen ihn. Gefragt habe ich auch: Wenn es doch nur den einen Gott gibt, warum gibt es dann unterschiedliche Kirchen, die sich auch noch gegenseitig nicht immer freundlich begegnen? Heute weiß ich: Was uns eint, ist der Glaube an Christus, die Liebe Gottes, die Hoffnung auf Versöhnung, die Verantwortung für eine friedliche und gerechte Welt. Das ist viel stärker als das, was uns trennt.

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