Dämonen aus der Stille
Das Interesse an Meditation, Yoga und Entspannung nimmt ständig zu. Inzwischen hat sich auch die Wissenschaft des Trends angenommen: Die Zahl an neurowissenschaftlichen, psychologischen und medizinischen Forschungsarbeiten zum Thema Meditation ist seit der Jahrtausendwende sprunghaft angestiegen. Viele Studien belegen die positiven Effekte einer regelmäßigen Meditationspraxis. Dazu gehören Entspannung, gesteigerte Fähigkeit zur Stressbewältigung, die Vermeidung von Burnout, aber auch eine Stärkung des Immunsystems.
Auf dem Kongress »Meditation und Wissenschaft 2012« in Berlin erfuhren die Teilnehmer jedoch auch von unerwünschten Nebenwirkungen. Besonders bei psychischen Vorerkrankungen berge Meditation durchaus Risiken, warnt Ulrich Ott vom Bender Institute of Neuroimaging (BION) an der Universität Gießen. So könnten Menschen, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, unter Umständen in der Meditation so genannte Flashbacks erleben und dadurch erneut traumatisiert werden. Auch würden in Einzelfällen psychotische Symptome auftreten wie Dissoziationen und Halluzinationen sowie religiöse Wahnideen oder Manien. »Für gesunde Menschen sind mit der Meditationspraxis erfahrungsgemäß kaum gesundheitliche Risiken verbunden«, sagt Ott. »Beim Auftreten von Störungen ist es allerdings ratsam, ärztliches Feedback einzuholen.«
Auch Hans Förstl, Direktor der Münchner Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, warnt vor allzu unkritischem Vertrauen in Meditation als Allheilmittel: »Limitierte Experimentalpsychosen mögen für aufgeregte und erschöpfte Menschen mit Befindlichkeitsstörungen ergötzlich sein«, so der Psychiater. »Sie gefährden jedoch die Heilung von schwerwiegenden Erkrankungen.« Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Publik-Forum (24/2012).
