Das Aus für die Odenwaldschule
Es gibt Geschichten, die finden einfach kein gutes Ende. Weil sie zu schrecklich sind. Oder zu verfahren. Oder weil es irgendwann zu spät ist für einen guten Ausgang. Hätte es für die Odenwaldschule, das reformpädagogische Vorzeigeprojekt, eine Zukunft geben können? Im Rückblick erscheint das schwer vorstellbar.
Vielleicht, wenn sich viel früher viel mehr Menschen ernsthaft um Aufklärung bemüht hätten. Wenn der Trägerverein schneller und eindeutiger reagiert hätte, als 1998 die furchtbaren sexuellen Übergriffe bekannt wurden. Wenn es mehr Solidarität mit den Opfern gegeben hätte als mit dem einstigen Schulleiter Gerold Becker der hervorragend vernetzt war, auf vielen Podien und in vielen Gremien saß, der als Politikberater – auch für die Evangelische Kirche – unterwegs war und allzulange das Vertrauen und die Bewunderung vieler Pädagogen genoss. Wenn es nicht zehn Jahre gedauert hätte, bis die Medien das Thema Missbrauch endlich aufgriffen. Wenn es wie im Canisius-Kolleg in Berlin einen radikalen und aufrichtigen Versuch der Aufarbeitung gegeben hätte.
Doch dazu war der Trägerverein weder willens noch in der Lage. Im Umfeld des Internats gab es keinen mutigen Aufklärer vom Schlage eines Klaus Mertes. Insofern ist die bevorstehende Schließung der Schule keine Überraschung. Für die jetzigen Schüler, die ihre Heimat verlieren, ist dieser Ausgang allerdings bitter.
Und die Opfer der Verbrechen, die verübt wurden? Auch sie hätten sich vermutlich ein anderes Ende gewünscht: Anerkennung. Entschädigung. Wiedergutmachung. All das wird es nicht geben.
Nein, auch wenn es die Odenwaldschule nicht mehr gibt, nimmt diese Geschichte kein gutes Ende.
