Dem Himmel so nah
Seit Menschengedenken war der Himmel vor allem eines: der Sitz der Götter. Dorthin erhoben die Menschen ihre Hände zum Gebet, dorthin blickten sie scheu und sehnsuchtsvoll. Der Himmel, der sich über ihrem Horizont ausspannte, war das Symbol des Jenseitigen, die göttliche Dimension, die den »Erdling« Mensch faszinierte und ihm doch immer entzogen blieb.
Die fromme Naivität, mit der unsere Vorfahren an den Himmel blickten, haben wir heute verloren. Unser Himmel ist entzaubert, wir haben ihn erobert, eingeteilt in Flugkorridore, mit Kondensstreifen gemustert, bis in den Weltraum vernutzt für Bomber, Drohnen, Satelliten. Und dass Gott dort oben nicht »wohnt«, wissen wir längst.
Dennoch fasziniert uns der Himmel immer noch. Er steht als Chiffre für höchstes Glück, Sehnsucht, Weite. Und wenn es einen Ort gibt, wo der Himmel die Erde berührt, dann wäre es Jerusalem, wo Gott persönlich seinen Fußabdruck hinterließ. Darin sind sich Juden, Christen und Muslime einig.
Menschen erzählen, was sie am Himmel fasziniert
In diesem EXTRA erzählen Menschen, was sie fasziniert, wenn sie in den Himmel schauen. Ein Mönch, der von seiner Sternwarte aus in die Unendlichkeit blickt, ist fest davon überzeugt, dass es in diesem riesigen Kosmos woanders auch noch Leben gibt.
Wenn ein Kind in den Himmel schaut, sieht es ein Pferd. Und dann kommt ein Haus oder ein riesiger Fisch mit Gräten. Das ist der naive Blick in den Himmel, den wir bis ins hohe Alter beibehalten, weiß ein leidenschaftlicher Wolkengucker, der in seinem Wolkentagebuch über prächtig weiße Cumuli und die Zwergenschule der Giganten berichtet.
Am Himmel begegnen uns Weite, Leichtigkeit und immer Schönheit. Formen, Farben und Lichtstimmungen scheinen grenzenlos. Kein Wunder, dass Ikarus auf seinem Himmelsflug der Sonne zu nahe kam und abstürzte. Dieses EXTRA warnt auch vor dem Überschreiten der Grenzen, die dem Menschen gesetzt sind. Denn nicht immer müssen wir uns auf gefährliche Höhenflüge begeben, um den Himmel zu erleben. In der mystischen Tradition der Religionen gibt es die Überzeugung, dass jeder Mensch den Himmel in sich trägt. Ein kleines Beispiel dafür ist die Erzählung eines Krankenpflegers über seine Arbeit mit Obdachlosen. Wenn sie ihm ihr Vertrauen schenken, dann spürt er das Reich Gottes in sich.
Jeder kennt das erhebende Gefühl, auf einem Berg oder am Meer in die Weite des Himmels zu schauen. Der Himmel ruft uns immer noch. Auch die Vogelfrau, die von den höchsten Bergen sprang, bis sie eines Tages mit einem Felsen zusammenstieß. Weniger gefährlich ist darum der Weg in den Himmel über die goldene Leiter, wie ein Künstler und Mönch in diesem EXTRA verspricht: Sie kann nicht umkippen, denn sie wird von oben gehalten.
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