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Der Claus Kleber für's Internet

Sendungen wie »Heute Journal«, »Wissen macht Ah!« und Co sind bei Unter-30-Jährigen so out, dass es outer kaum geht. »In« sind Erklärvideos, Tutorials und Online-News-Kanäle. Was sich auf der Videoplattform YouTube abspielt, zeigt: Teenie-Kultur im Internet ist das neue Bildungsfernsehen. Zum Beispiel mit LeFloid, der – Überraschung – selber gar kein Teenie ist
von Franziska Streib vom 04.02.2015
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LeFloid in action: Der Psychologiestudent aus Berlin ist im Internet so berühmt wie Claus Kleber im Fernsehen. Nachrichten, total anders. (Foto: Screenshot Youtube)
LeFloid in action: Der Psychologiestudent aus Berlin ist im Internet so berühmt wie Claus Kleber im Fernsehen. Nachrichten, total anders. (Foto: Screenshot Youtube)

»Wow, Menschheit, ich bin stolz auf dich.« – Ein ironisches Fazit, das LeFloid am Montagabend nach einer scheinbar durchzechten Super-Bowl-Nacht wütend in die Kamera ruft. »So viele Drogen kannst du als Schriftsteller gar nicht nehmen, um die Dummheit von uns Menschen in all ihren Facetten aufzugreifen.« Dumm findet LeFloid – mit bürgerlichem Namen Florian Mundt, geboren 1987 – so Einiges. Diese Woche sind es aus aktuellem Anlass menschenunwürdiger Voyeurismus am Unfallort, uneingeschränkte Datenspeicherung und ein dramatischer Waffenunfall, verursacht durch ein dreijähriges Kind in den USA.

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LeFloid? Muss man den kennen? – Das werden sich viele Leserinnen und Leser verwundert fragen. Was hat der denn dazu zu sagen? Und was ist das überhaupt für ein Name!?

Es ist einer, der rund zweieinhalb Millionen Internet-Usern mindestens so geläufig ist wie anderen Claus Kleber und Gundula Gause. Und unter anderem diese beiden scheinen durch Web-Konkurrenten à la LeFloid tatsächlich um ihre bisher 3,8 Millionen starke Zuschauerschaft bangen zu müssen. Wo sich die dem Fernsehen Treugebliebenen nämlich allabendlich von Frauen und Männern in Anzug die Nachrichten mit seriösem Blick in die Kamera verlesen lassen, lauscht heutzutage ein großer Teil Deutschlands stattdessen regelmäßig einem jungen Mann mit Cap und Tattoos. Und zwar via YouTube.

Hinter diesem die Massen begeisternden Jungstar verbirgt sich ein Psychologie-Student und gebürtiger Berliner. Doch das interessiert die zahlreichen Follower von Florian Mundt und Abonnenten des Kanals LeFloid kaum. Wichtig ist nur, wann das neueste Video hochgeladen wird, was er heute wieder zu sagen hat, welche kritisch-ironische Meinung zum Weltgeschehen LeFloid diesmal kundtut. Was er vormacht und zahlreiche Jungproduzenten nachmachen, ist einfach und gleichzeitig genial: Durch selbstgedrehte Videos populär, wenn nicht gar berühmt zu werden. Intellektualität, Qualität? Hier ist sie vorhanden. Aber total anders als bei Claus Kleber.

So kommentiert LeFloid zum Beispiel mit teils bissig-satirischem Tenor vor laufender Kamera, was in der Welt passiert und sichert sich dadurch ein Millionenpublikum, das dem von ARD, ZDF und Co. starke Konkurrenz macht. Dabei hebt sich der junge Berliner gar nicht unbedingt von seinen Plattform-Kollegen hinsichtlich filmischem Können, Witz oder Kreativität ab. Im Gegenteil: Meist ist der Erfolg eines YouTubers sogar schlicht ein glückliches Zusammenspiel von medialem Knowhow und Zufall. Denn wie im Web so üblich, verbreiten sich manche Inhalte viral in kürzester Zeit und andere stagnieren dauerhaft, ergattern kaum einen Klick, Like oder Kommentar. Doch daran wird der Interneterfolg nun mal gemessen und LeFloid hat mit seinem Rang 4 der in Deutschland meistgefolgten Kanäle eine Menge davon zu bieten. Inzwischen sammelt er all seine informativen Videos unter dem Motto »Action News – aber hart«, produziert zusätzlich noch unterhaltsame Kurzfilme und stellt sie der Internet-Community auf seinem Kanal zur Verfügung.

Bei seinen so genannten »LeNews« handelt es sich meistens um reißerische, sensationelle, aber bedeutsame Themen, die vor allem das Publikum im Teenageralter ansprechen. So auch das Setting der Videos: Es zeigt LeFloid live in seinem jugendlich gestalteten Zimmer, im Hintergrund sind kamerawirksam Poster und eine menschengroße Star-Wars-Figur positioniert, die das imposante Auftreten des selbst ernannten Anchorman unterstreichen. LeFloid garniert seine Beiträge mit einem eigenproduzierten Zeichentrick-Intro und peppt sie mit zwischendrin eingeblendeten comic-haften Bildern, Videoclips oder Slogans auf. Seine Redebeiträge hält er in lockerer Jugendsprache, verstellt oft seine Stimme, übertreibt und polemisiert gerne und verwendet nicht selten Kraftausdrücke. Dabei schafft er es jedoch auch, zahlreiche interessante Daten und Fakten zu verarbeiten, politische Details aufzugreifen und ethisch-moralische Zugänge zum Tagesgeschehen zu eröffnen. Ein lockerleichter Kontrast zu herkömmlichen Fernseh-Nachrichtenformaten!

Es ist ein willkommene Alternative, die der U-30-Generation eine Stimme gibt. Die aber noch viel mehr schafft: Durch ihren modernen und polarisierenden Charakter wirbelt sie Deutschlands Nachrichtenwelt auf und ersetzt traditionelle Wissensformate. Unterhaltung und Information verschmelzen in einer ansprechenden und intelligenten Art zum »Edutainment«. Es ist eine Alternative, die sich einfügt in ein weit gesponnenes Netz von Online-Inhalten: »NachhilfeOnline« erleichtert Schülern das Lernen, »Wissen2go« ersetzt das Nachschlagen im Lexikon, »Tutorials« machen analoge Anleitungen beinahe überflüssig. Und die LeFloids der Internetgeneration katapultieren sich an die Spitze der Nachrichten-Charts. So sieht Bildung heute aus.

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Personalaudioinformationstext:   Franziska Streib studiert im Master Medien-Ethik-Religion. Sie findet: »Der Flut an medialem Input muss Medienkompetenz entgegengesetzt werden. Doch diese Flut führt zu einer regelrechten Überschwemmung. Was setzen wir dem entgegen?«
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